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Wohnkosten

Belastungsfaktor Miete – wie groß ist er wirklich?

Im Jahr 2014 betrug die durchschnittliche Mietbelastungsquote in Deutschland 27,2 Prozent, so die Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Die Behörde veröffentlicht alle vier Jahre Zahlen zur Mietbelastung. Sie basieren auf dem Mikrozensus, einer jährlich durchgeführten Haushaltsstichprobe, an der ein Prozent der Privathaushalte in Deutschland teilnehmen. Im Rahmen des Mikrozensus findet alle vier Jahre (zuletzt 2014) eine Zusatzerhebung zur Wohnsituation der Haushalte statt.

Die Mietbelastung eines Haushalts bezeichnet den Anteil am Haushaltsnettoeinkommen, der für die Bruttokaltmiete – also für die Grundmiete zuzüglich der sogenannten kalten Nebenkosten wie Abwasser, Müllabfuhr etc. – aufgewendet werden muss. Das Haushaltsnettoeinkommen ist die Summe aller Einkunftsarten (zum Beispiel Erwerbseinkommen, Rente, Pension, Einkommen aus Vermietung und Verpachtung, Arbeitslosengeld, Kindergeld, Wohngeld etc.) ohne Steuern und Sozialversicherungsbeiträge.

Durchschnittswert nur sehr begrenzt aussagekräftig
Hinter dem Durchschnittswert von 27,2 Prozent verbergen sich hohe Schwankungen. Sie liegen zum einen an den unterschiedlichen Bruttokaltmieten, die wiederum durch die regional unterschiedlichen Quadratmetermieten, aber natürlich auch durch die Wohnungsgröße beeinflusst werden. Die Mietbelastungsquoten schwanken regional jedoch weniger stark, als man aufgrund der Höhe der Bruttokaltmieten annehmen würde, so die Statistiker. Den Grund dafür sehen sie zum einen in den regional stark unterschiedlichen Nettoeinkommen. So verzeichneten Stadtstaaten die höchsten Mietbelastungsquoten. Hier waren die Bruttokaltmieten hoch und das verfügbare Nettoeinkommen vergleichsweise gering. Zum anderen spielt die Haushaltsgröße eine wichtige Rolle: Die Quoten von Mehrpersonenhaushalten sind deutlich niedriger als die von Haushalten, in welchen nur eine Person lebt. Das gilt ganz besonders für Frauen.

Erhebliche Belastung für einzelne Personengruppen
Ganz besonders betroffen sind beispielsweise alleine lebende Frauen über 65 Jahre, die in Großstädten leben. Sie verfügen über ein deutlich geringeres Einkommen als ihre männlichen Altersgenossen, müssen jedoch im Schnitt eine höhere Miete bezahlen, weil sie in Wohnungen leben, die eine größere Wohnfläche haben als der Durchschnitt der Alleinlebenden. „Die hohen Belastungen dürften nicht zuletzt auf der Entscheidung der Betroffenen beruhen, trotz gesunkener Einkommen in Form einer Witwenrente in jener Wohnung zu bleiben, in der man zuvor gemeinsam mit dem Ehepartner beziehungsweise den Kindern und mit einem höheren Einkommen gewohnt hatte – auch wenn es ökonomisch belastend ist“, so der Datenbericht 2016 des Statistischen Bundesamtes.

Unser Fazit: Wer verantwortungsvoll und glaubwürdig über die Belastung der Mietkosten für private Haushalte diskutieren will, kann nicht mit statistischen Mittelwerten argumentieren. Das heißt auch: Wenn es darum geht, die Mietbelastungsquote zu senken, kommen wir mit dem Gießkannenprinzip nicht weiter. Vielmehr sind hier ressortübergreifende soziale Konzepte notwendig.