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Brand an einem Wohnhaus in London gibt Anlass zur Sorge

Wie sicher sind Polystyrol-Dämmungen hierzulande?

Der verheerende Brand im Juni dieses Jahres an einem Hochhaus in London, bei dem sich das Feuer rasch über die Fassade aus Aluminium-Verbundplatten ausbreiten konnte, hat hierzulande erneut die Diskussion um das Brandverhalten des Wärmedämmverbundsystems (WDVS) mit Polystyrol entfacht.

In Deutschland gelten strenge Vorgaben für den Brandschutz in Gebäuden. Das gilt auch für den Einsatz von WDVS. Dennoch sind WDVS aus Polystyrol aufgrund einiger spektakulärer Brandfälle in die Kritik geraten. Die Feuerwehr Frankfurt/Main listet in einer ständig aktualisierten Liste mehr als einhundert Brandereignisse in Verbindung mit dem WDVS seit 2009 auf. Nach Aussagen der beteiligten Feuerwehren breiten sich die Brände schnell über die gedämmte Fassade aus. Es kommt zu starker Rauchentwicklung und dem Abtropfen von brennendem Dämmmaterial.

Seit 2012 befassen sich die Bauminister der Bundesländer mit der Untersuchung der Brandfälle. Im Herbst 2014 beschloss die Bauministerkonferenz nach Auswertung eigener Brandversuche und der bisherigen Brandereignisse, die technischen Regeln für den Einsatz von WDVS aus Polystyrol bei Neubauten und Modernisierungen zu ändern. Das hierfür beauftragte Deutsche Institut für Bautechnik (DIBt) hat 2015 konkrete Lösungen in einem Hinweisblatt veröffentlicht. Schließlich gibt ein von der Bauministerkonferenz 2015 herausgebrachtes Merkblatt wichtige Empfehlungen für Eigentümer von Gebäuden mit bestehender Polystyrol-Dämmung.

Bei Neubau und Modernisierung sind mehrere Brandriegel vorzusehen
Nach den Hinweisen des DIBt sind folgende Maßnahmen notwendig, um WDVS aus Polystyrol widerstandsfähiger gegen einen außerhalb des Gebäudes wirkenden Brand zu machen:

  • umlaufende Brandriegel im Sockelbereich, auf Höhe der Decke des 1. und 3. Obergeschosses und unterhalb von Dächern aus brennbaren Materialien (zum Beispiel Foliendächer)
  •  weitere Brandriegel gegebenenfalls oberhalb von Durchgängen oder Durchfahrten
  • als Brandriegel gelten mindestens 200 mm breite Streifen aus nichtbrennbarer Mineralwolle
  • die Putzschicht (Ober- und Unterputz) soll eine Mindestdicke von vier Millimetern haben

Regelmäßige Kontrolle und Instandhaltung bei bestehendem WDVS aus Polystyrol

WDVS aus Polystyrol sind gegen eine Brandbeanspruchung von außen nur funktionsfähig, wenn sie unversehrt bleiben. Eigentümern von Gebäuden mit Polystyrol-Dämmung wird daher empfohlen:

  • regelmäßige Kontrollen der Fassade durchzuführen und Putzschäden zeitnah zu beseitigen
  • brennbare Materialien mindestens drei Meter entfernt von der gedämmten Außenwand zu lagern
  • direkt am Gebäude stehende Mülltonnen aus Kunststoff mit nichtbrennbarem Material einzuhausen


Unser Tipp! Die Bedenken hinsichtlich des Brandverhaltens und der im Polystyrol enthaltenen notwendigen chemischen Flammschutzmittel bestehen weiterhin. Modernisierungswilligen empfehlen wir, WDVS mit mineralische Dämmstoffen (zum Beispiel Mineralwolle) zu verwenden. Diese sind nicht brennbar und enthalten keine chemischen Flammschutzmittel.

WDVS aus Polystyrol:
  • Polystyrol ist auch bekannt als Styropor oder expandierter Polystyrol-Hartschaum (EPS)
  • Mehr als 80 Prozent der in Deutschland energetisch modernisierten Fassaden wurden mit dem WDVS aus Polystyrol gedämmt
  • Polystyrol ist im Vergleich zu anderen Dämmstoffen preisgünstig und einfach zu verarbeiten
  • WDVS aus Polystyrol gelten nach der deutschen Normung als schwer entflammbar und entsprechen damit der Baustoffklasse B1
  • Die Bauordnungen der Länder lassen schwer entflammbare Dämmstoffe bei Gebäuden geringer (bis 7 Meter) und mittlerer Höhe (bis 22 Meter) bzw. der Gebäudeklassen 1 bis 5 zu
  • Bei Hochhäusern (ab 22 Meter), wie dem Londoner Grenfell Tower, sind in Deutschland nur nicht brennbare Wandverkleidungen der Baustoffklasse A1 und A2 erlaubt