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Interview

„Kohlenmonoxid-Vergiftungen in Wohnungen sind vermeidbar“

Im Jahr 2015 sind hierzulande 648 Menschen an einer Kohlenmonoxid-Vergiftung gestorben, so die erschreckenden Zahlen des Statistischen Bundesamtes – etwa ein Drittel mehr als noch fünf Jahre zuvor. Viele dieser tödlichen Unfälle ereigneten sich im Wohnumfeld. Und manch einer davon ließe sich vermeiden. Eva Neumann hat darüber mit Hartmut Ziebs, Präsident des Deutschen Feuerwehrverbandes (DFV), gesprochen.

Was sind die Auslöser von Kohlenmonoxid-Vergiftungen in Wohnungen?
Wenn eine Gasetagenheizung leicht verstellt oder defekt ist oder wenn die Abgasleitung verstopft oder verschmutzt ist, können dadurch erhöhte CO-Werte im Abgas entstehen. Das wird dann problematisch, wenn die Gase und damit das Kohlenmonoxid in Wohnräume gelangen und sich dort sammeln, so dass eine hohe Konzentration entsteht. Früher gab es in Wohnungen einen leichten Luftzug, durch den das Gas abtransportiert wurde. Das hat meist auch funktioniert, wenn Kohlenmonoxid beispielsweise von der Therme im Keller durch die Decke in die Wohnung diffundiert ist. Die gehäuften Dämmmaßnahmen in den vergangenen Jahren haben diese Situation jedoch verändert und damit auch zu einem deutlichen Anstieg der Unfallzahlen geführt. Wenn heute neue, dichte Fenster eingebaut werden, wird die Luftzirkulation verringert, so dass sich das Kohlenmonoxid sammeln kann. Auch Heizungserneuerungen erhöhen das Risiko von Kohlenmonoxid-Unfällen: Niedrigtemperaturheizungen produzieren auch geringere Abgastemperaturen. Vögel, die im Sommer im Schornstein ihr Nest bauen, verlassen das jetzt nicht mehr immer im Winter, weil es ihnen nicht zu heiß ist. Damit können die Abgase nicht mehr ordentlich abziehen.

Gibt es Heizungen, die ein höheres Risiko bergen als andere?
Nein. Keine Heizung ist als solche gefährlich. Doch jede Heizung verstellt sich im Laufe der Zeit eben ein wenig. Oder der Schornstein setzt sich ein bisschen zu. Das lässt sich durch regelmäßige Wartung und Reinigung vermeiden.

Gibt es auch Unfälle, die durch das Verhalten der Bewohner verursacht werden?
Tatsächlich kommen immer wieder einzelne Leute auf die Idee, im Wohnzimmer mit Holzkohle zu grillen. Andere heizen durch falsch verstandene oder echte Sparsamkeit mit ihrem Gasofen. Und dann sehen wir immer wieder, dass die Zugluftschlitze in den Türen zu den Räumen mit Gasthermen dauerhaft abgedeckt werden. All diese Situationen haben dieselben Auswirkungen wie eine defekte Gasetagenheizung.

Warum ist Kohlenmonoxid so tückisch?
Es ist geruchlos, farblos, geschmacklos und reizt die Atemwege nicht. Wenn man in einen Raum kommt, in dem sich dieses Gas angesammelt hat, merkt man es einfach nicht. Man wird benommen und müde, vielleicht fühlt man noch etwas Schwindel oder Übelkeit. Doch das sind solch unspezifische Warnsignale, dass man sie nicht als solche wahrnimmt. Dann fällt man ins Koma und ist innerhalb weniger Minuten tot.

Wenn Sie als Feuerwehr zu einem CO-Unfall gerufen werden – was tun Sie?
Zum Glück sind die Rettungsdienste heute fast flächendeckend mit CO-Warnern ausgerüstet. Früher sind die Helfer am Unfallort leicht in die Falle getappt. Sie haben das giftige Gas nicht bemerkt und sind dann selbst bei der Reanimation der Verunfallten ins Koma gefallen. Das passiert heute nicht mehr. Wenn das Warngerät anspringt, heißt es „lüften, lüften, lüften“. Außerdem müssen wir die Unfallopfer so schnell wie möglich aus der Wohnung hinaus in Sicherheit bringen. Wie lange sie dem Gas ausgesetzt waren, ist entscheidend dafür, ob sie bleibende Schäden davontragen.

Was können Eigentümer von Immobilien tun, damit diese Situation gar nicht erst entsteht?
Mit Blick auf die Statistik gibt es zwei zentrale vorbeugende Maßnahmen: Wer seine Immobilie mit Gas heizt und das Gebäude saniert, also mit einer Dämmung versieht und neue Fenster einbaut, muss unbedingt darauf achten, dass ausreichend Luftaustausch gesichert ist. Und er muss seine Gasheizung regelmäßig gründlich warten lassen, zum Beispiel durch den Schornsteinfeger. Darüber hinaus ist es durchaus sinnvoll, im Heizungsraum, im Hausanschlussraum oder in der Nähe der Gastherme einen CO-Warnmelder anzubringen. Ein solches Gerät sieht ähnlich aus wie ein Rauchwarnmelder und funktioniert nach demselben Prinzip: Bei ansteigendem Kohlenmonoxid-Wert warnt es mit lautem Alarmsignal und einer Warnleuchte.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

Unser Tipp: Vorsicht mit raumluftabhängigen Feuerstätten!
Aufgrund zu starker Abdichtung von Wohnräumen kann im Extremfall nicht mehr ausreichend Luft für eine vollständige Verbrennung in einer solchen Feuerungsanlage nachströmen. Luftabsaugende Einrichtungen, wie Dunstabzugshauben, können die Gefahr verschärfen, weil sie dem Raum zusätzlich Verbrennungsluft entziehen.
So wirkt Kohlenmonoxid im menschlichen Körper
Kohlenmonoxid wird an den roten Blutfarbstoff Hämoglobin gebunden und blockiert diesen, so dass er keinen Sauerstoff mehr transportieren kann. Es kommt zu einer Unterversorgung des Gewebes. Die Folgen können schwere Hirnschäden oder auch der Tod sein.
Wie lange das Gesamt-Hämoglobin noch funktionstüchtig ist, hängt von der CO-Konzentration ab und davon, wie lange es eingeatmet wird. Besonders gefährdet sind Menschen mit Vorerkrankungen, wie Blutarmut oder Gefäßerkrankungen, und Kinder. Ihre Körperoberfläche ist im Verhältnis zu der von Erwachsenen deutlich größer. Daher muss ihr Körper vergleichsweise mehr Wärme produzieren, benötigt also mehr Sauerstoff. Kinder reagieren deshalb besonders empfindlich und frühzeitig, wenn die Sauerstoffversorgung des Körpers gestört ist.